Was ist Lerntherapie

 

Lerntherapie ist eine spezielle pädagogisch-psychologische Förderung für Menschen jeden Alters mit Lern- und Leistungsstörungen. Die Lerntherapie orientiert sich an den individuellen Lernvoraussetzungen des Kindes (Jugendlichen), seinen Bedürfnissen, Schwierigkeiten und Stärken sowie an den gesetzten Zielen. Aufgabe der lerntherapeutischen Förderung ist es, die Lernmotivation des Kindes (Jugendlichen) zu stärken, sein Selbstvertrauen und seine Konzentration zu steigern und seine Fähigkeiten in den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen zu verbessern.


Schulprobleme, die auf Teilleistungsstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie zurückzuführen sind, wachsen sich nicht einfach aus, sie dauern an und verstärken sich meist sogar. Je früher eine gezielte Förderung einsetzt, desto besser.

 

 

Eine Lerntherapie hilft bei:

 

-  Legasthenie (Lese - Rechtschreibschwäche, LRS)
-  Fremdsprachenerwerb bei Legasthenie
-  Dyskalkulie (Mathe- bzw. Rechenschwäche)

-  ADHS / ADS (Aufmerksamkeitsstörungen, mit oder ohne Hyperaktivität)

-  Konzentrationsschwierigkeiten
-  Lernblockaden
-  Schul- und Versagensängsten
-  Prüfungsvorbereitung

 

  (Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten)

 

 

Legasthenie

(Lese - Rechtschreibschwäche, LRS)

 

bezeichnet eine Lese-Rechtschreibschwäche bei normaler Gesamtintelligenz. Als Ursache gelten auditive und visuelle (das Hören und Sehen betreffende) Wahrnehmungsstörungen und Störungen der zentralen Verarbeitung dieser Informationen. Ein erblicher Faktor wird angenommen.  

 

Die Diagnose und deren Kriterien variieren in den einzelnen Bundesländern. So geht man in Bayern z.B.definitiv von genetischen Ursachen aus und benutzt die Bezeichnung Legasthenie. In Berlin und Brandenburg hält man sich an den ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen d. Weltgesundheitsorganisation), nach dem die Diagnose Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) unter dem Punkt Entwicklungsstörungen vergeben wird. Die Ursachen werden hier nicht fest umschrieben, sondern als multikausal angenommen. Einig ist man sich jedoch darüber, dass bei LRS Probleme der akustischen und visuellen Informationsverarbeitung vorliegen.  

 

Meine Bevorzugung des Begriffes Legasthenie beruht lediglich auf der Bekanntheit des Begriffes und nicht auf dessen Diagnosekriterien. Die Praxis zeigt unterschiedliche Ausprägungen und Begleiterscheinungen bei Lese- Rechtschreibstörungen, so dass eine individuelle Diagnose der Schwächen und Stärken unumgänglich ist.

 

 

Dyskalkulie

(Mathe- bzw. Rechenschwäche)

 

bezeichnet eine Beeinträchtigung von grundlegenden Rechenfertigkeiten (Addition, Subtraktion, etc.) bei normaler Gesamtintelligenz. Höhere mathematische Fähigkeiten, wie Geometrie, Trigonometrie, Differenzial- und Integralrechnung sind weniger oder nicht betroffen. Die Rechenstörung wird im ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation unter Entwicklungsstörungen behandelt. Rechenstörungen und deren Ursachen sind weit weniger erforscht als Lese-Rechtschreibstörungen. Man geht davon aus, dass vorwiegend die optische Wahrnehmung und deren zentrale Verarbeitung beeinträchtigt sind. Häufig wird auf seelische Traumata in der frühen Kindheit verwiesen.   

 

Hinweise auf eine Rechenschwäche bzw. Dyskalkulie:

-  anhaltendes Fingerzählen

-  Ergebnis immer um '1' falsch

-  sehr langsames Rechnen

-  Zahlendreher

-  Zahlen werden von hinten geschrieben (erst Einer,..)

-  völlig unsinnige Ergebnisse fallen nicht auf

-  Fehlendes Mengenverständnis hinter den Zahlsymbolen

-  kein Gefühl für Entfernungen, Zeit, Gewicht,...

-  können sehr schlecht schätzen

-  Sachaufgaben werden nicht verstanden

-  Probleme mit dem Zehnersystem

-  Fehlendes Verständnis mathematischer Operationen

-  müssen viel auswendig lernen und vergessen alles sehr schnell wieder

 

Die Bezeichnung "Rechenschwäche / Dyskalkulie" basiert auf einer Sammlung von Symptomen. Die Ursachen dafür können individuell sehr verschieden sein. Nicht unter diese Diagnose fallen Kinder, die auf Grund mangelhafter Unterrichtung, Krankheit, familiären Problemen oder seelischen Erkrankungen schlechte oder sehr schlechte Rechenleistungen zeigen. Jedoch brauchen auch solche Kinder individuelle Hilfe!   

 

Viele von Dyskalkulie betroffene Kinder haben folgende Stärken:

-  große Sensibilität und sehr gute Beobachtungsgabe bezüglich des sozialen Umfeldes

   (merken z.B. oft als erste, wenn es jemandem nicht gut geht)

-  häufig sehr bewegungsfreudig und gute Körperwahrnehmung (tanzen, turnen)

-  lieben Gesellschaftsspiele und sind darüber gut zu motivieren (selbst wenn sie mitunter

   schlechte Verlierer sind)

 

Grundlagen meiner Arbeit

Eine grundlegende Annahme ist, dass rechenschwachen Kindern bei Schuleintritt wesentliche Vorläuferkonzepte zum Erwerb mathematischer Fähigkeiten fehlen, sodass sie in der Schule dargebotenes Wissen aufgrund fehlender Verknüpfungsmöglichkeiten im Gehirn nicht nutzen können. Es ist jedoch aus der Lernforschung bekannt, dass Informationen nur dann längere Zeit behalten, wieder gefunden und angewendet werden können, wenn sie mit bereits vorhandenem Wissen möglichst breit vernetzt werden können. Die fehlenden Vorläuferkonzepte entsprechen schwach ausgebildeten Handlungskonzepten. Diese müssen durch eine therapeutische Förderung aufgebaut werden. Wesentlich ist dabei, dass die Kinder die Konzepte durch eigenständiges Handeln erwerben. Dieser Konzepterwerb ist ein impliziter Lernprozess, d.h. die erkannten Regeln werden erst unbewusst erkannt und angewandt, bevor sie dann formuliert werden können und schließlich gezielt eingesetzt werden.   

 

Beispiel:
Man gibt dem Kind Aufgaben folgenden Typs: 3+5-5=?,  7+6-6=?, 12+7-7=...
Zuerst wird das Kind alle Operationen durchrechnen und entsprechend viel Zeit brauchen. Dann beginnt das Kind irgendwann plötzlich schneller zu rechnen, selbst wenn die Aufgaben scheinbar schwieriger sind (z.B. 37+18-18) ohne zu diesem Zeitpunkt jedoch sagen zu können, warum es so schnell ist. Gezielte Fragen bringen das Kind dann zum eigenen Formulieren der erkannten Regel. Erst jetzt ist die Regel auch später bei ähnlichen Aufgaben anwendbar.   

 

Der implizite Lernprozess kann gezielt beeinflusst und beschleunigt werden durch das Bereitstellen entsprechender Situationen (z.B. bei Lernhilfsspielen) und die gezielten Fragen des Therapeuten. Ziel ist, beim Kind eine Art "Aha-Effekt" zu erzeugen, es zum selbstständigen Erkennen und Formulieren einer Regel zu führen. Solches derart durch eigenständiges Handeln erworbenes Wissen ist vernetztes Wissen und eignet sich zur weiteren Verknüpfung mit darauf aufbauendem Wissen.

 

 

ADHS / ADS

(Aufmerksamkeitsstörungen, mit oder ohne Hyperaktivität)

 

ADS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Bei ADHS kommt die Hyperaktivität dazu. Beides sind Bezeichnungen aus dem DSM IV, dem Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen der amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie (1994). Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsprobleme können aber auch nach dem ICD-10, dem entsprechendem Manual der Weltgesundheitsorganisation als HKS (Hyperkinetische Störung) diagnostiziert werden. Für eine Diagnose ist hier aber das gemeinsame Auftreten von Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität erforderlich. Aus diesem Grunde wird oft das amerikanische Manual bevorzugt. Wesentlich ist bei beiden Richtlinien, dass die Symptome

 

-  Unaufmerksamkeit,

-  Impulsivität und/ oder

-  motorische Hyperaktivität

 

vor dem Schuleintritt aufgetreten sein müssen und in mindestens zwei Lebensbereichen zu beobachten sind (z.B. Schule, Kindergarten und Zuhause). Die schulischen Leistungen dieser Kinder sind meist weit schlechter als das allgemeine Intelligenzniveau vermuten ließe. Kinder mit ADS/ ADHS brauchen mehr als andere Kinder klare Grenzen, eindeutige Instruktionen, Konsequenz, viel Geduld und am besten einen Schuss liebevollen Humor dazu.

 

Diese Kinder sind anstrengend, haben aber auch UNS als Erziehenden viel zu geben! 



 

 

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